Homeoffice - Teneriffa

29.04.2019

Homeoffice macht’s möglich: Arbeiten auf Teneriffa

Wie ist es eigentlich dauerhaft im Homeoffice zu arbeiten? Fehlen Vorgesetzte und Kollegen? Welche Herausforderungen gibt es bei der Arbeit im Ausland? Wir haben einen Homeoffice-Arbeitnehmer auf Teneriffa befragt!


Die Idee

Wie kamst du auf die Idee Homeoffice auf Teneriffa zu machen?

Das hängt damit zusammen, dass meine Partnerin gebürtige Spanierin ist und ursprünglich von Teneriffa kommt. Nach zwei Jahren in Deutschland sagte sie, dass Sie Deutschland verlassen und zurück nach Teneriffa gehen wird. Da die Beziehung dem nicht standhalten würde, das sind 6.000km Entfernung, habe ich dann für mich einen Plan geschmiedet zumindest mal anzufragen, wie es denn bei meinem Arbeitgeber aussieht mit der Option Homeoffice. Also bei mir kam es im Prinzip aufgrund der Beziehung - sonst wäre die in die Brüche gegangen.

Wie hat dein Vorgesetzter bzw. dein Arbeitgeber auf deinen Vorschlag reagiert?

Ich hatte natürlich vorher viel mit meiner Partnerin gesprochen, dann habe ich mit meiner Teamleiterin gesprochen oder es zumindest mal so ein bisschen angedeutet. Also die Leute rundherum wussten schon, dass da was im Busch ist. Im jährlichen Personalgespräch habe ich es dann bei der Personalabteilung angesprochen. Ich habe gesagt, dass ich plane das Land zu verlassen und dass ich das nicht zwangsläufig vom Arbeitgeber abhängig machen würde. Daraufhin meinte die Personalabteilung, dass wir gemeinsam eine Lösung finden werden. Der Vorschlag kam also nicht von mir in erster Instanz, er kam von der Personalabteilung. Ich war sehr positiv überrascht von der Reaktion. Es war meine Wunschvorstellung gewesen, aber ich habe es selbst für unrealistisch gehalten.

Was denkst du hat sich dein Arbeitgeber davon erhofft?

Ich denke, dass ich meine Arbeit sehr gut mache bzw. bekomme ich da auch sehr positives Feedback. Da gab es schon Argumente mich nicht als Mitarbeiter zu verlieren. Außerdem ist meine Tätigkeit primär computerbasiert, ich habe zum Beispiel keinen direkten Kundenkontakt. Deshalb ist der Arbeitsort prinzipiell egal. Auch generell kann sich eine Homeoffice-Option vorteilhaft für den Arbeitgeber auswirken. Meine Kollegin meinte zum Beispiel, dass sie gerne einfach mal Homeoffice machen würde, wenn sie sich schlecht fühlt, anstatt sich sofort eine Krankschreibung holen zu müssen. Dann sitzt man bestenfalls noch drei Stunden beim Arzt oder so. In der Zeit könnte man aber vielleicht doch von Zuhause aus arbeiten.

Die Schattenseiten

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

In den ersten 2-3 Gesprächen ging es erstmal nur um die Idee, ob man sich das vorstellen könnte, dann erst wurde in die ganzen Details reingeschaut. Unsere Personalverantwortliche kam schließlich mit gefühlten zehn A4-Seiten - Das gibt es zu beachten, das muss eingereicht werden, das brauchen wir, das dürfen wir nicht vergessen usw. … Ich brauchte zum Beispiel ein Schreiben für meine Krankenkasse, wiederum musste ich bestimmte Formulare für Spanien fertig machen. Es gab also doch einiges an Bürokratie. Eine andere Herausforderung war die ganze Organisation. Wir mussten an der Arbeit schauen, was ich an technischer Ausstattung brauche, das war sozusagen Punkt eins. Es musste geklärt werden, wer was bezahlt.

Dann die Organisation des Transfers. Es war nicht möglich zu sagen, wir machen den Vetrag ab dem 1. des Monats und ich fang dann 1-2 Wochen später an, tatsächlich dort zu arbeiten. Mit Vertragsbeginn in Spanien, musste auch ich direkt schon in Spanien sein. Das genaue Datum machte einiges komplizierter, ich musste viel mit meiner Partnerin, die schon auf Teneriffa war, abstimmen. Sie musste einiges vor Ort organisieren, zum Beispiel die Wohnung oder die Internetverbindung, Wir sind hier in einer sehr ländlichen Gegend, das heißt das Internet musste erst hier ans Haus gelegt werden.

Wegen dem Flug musste ich außerdem schauen. Ich wollte nicht für 800€ fliegen, sondern vielleicht für 100-200€. Die Flugpreise unterscheiden sich da auch. Immer wieder hat noch etwas gefehlt oder es brauchte noch eine Unterschrift. Deshalb musste ich immer wieder den Flug verschieben und das natürlich auch immer in Absprache mit dem Unternehmen. Ich brauchte auch für den Umzug selbst wenigstens zwei Tage Urlaub. Die ganze Planung hat unglaublich viel Aufwand gekostet.

Außerdem war es mit dem Umzug noch nicht getan. Beispielsweise habe ich mir meine Monitore von Deutschland schicken lassen. Das hat für den ein oder anderen Stress gesorgt. Zweimal sind sie zurück nach Deutschland, da waren sie plötzlich nicht zustellbar und jetzt beim dritten Mal wurde ein Monitor beschädigt. Da muss man sich jetzt wieder um die Versicherung kümmern und und und…

Was bringt die tägliche Homeoffice-Arbeit sonst so mit sich?

Ich denke, dass ich mehr arbeite. Das klingt vielleicht seltsam, aber ich hab mich mal mit zwei-drei Kollegen unterhalten, die auch schon im Homeoffice gearbeitet haben. Da ist irgendwie so ein unterbewusster Druck da. Du siehst die anderen nicht und die anderen sehen dich nicht. Das hat natürlich auch etwas mit einer gewissen Vertrauensbasis zu tun. Aber man sitzt den ganzen Tag vor dem Rechner und bewegt sich nicht vom Fleck, sodass bloß keiner einen falschen Eindruck bekommt. Ich esse häufig einfach am Platz und arbeite weiter. Von ähnlichen Erfahrungen haben mir Kollegen berichtet, die auch schon im Homeoffice gearbeitet haben. Man möchte auch diese Gelegenheit, die einem gegeben wurde, nicht ausnutzen.

Man muss da auch unterscheiden - Homeoffice ist das Eine, Homeoffice 6.000km entfernt ist etwas anderes. Wenn etwas in der Firma ist, muss ich mir natürlich extra einen Flug buchen und kann nicht einfach mal schnell ins Büro kommen. Außerdem bist du dadurch schon viel alleine. Man muss schauen, dass soziale Kontakte auf andere Weise gepflegt werden und man nicht komplett “verwahrlost”.

Die Sonnenseiten

Wie gefällt dir insgesamt die Arbeit bisher?

Ich mag es “alleine” zu arbeiten. Aber das kommt natürlich auch immer auf die Person an. Bei meiner aktuellen Tätigkeit, bin ich persönlich allerdings froh, dass ich in Ruhe arbeiten kann. Ich bin dennoch jederzeit erreichbar und nehme per Videokonferenz an den Teammeetings teil. Also ich kann für mich nicht wirklich viele Nachteile erkennen.

Welche Vorteile hat es konkret von Zuhause zu arbeiten?

Also ich bin wesentlich effizienter, weil man auch nicht abgelenkt wird durch andere Kollegen. Es gibt keine Umgebungsgeräusche. Im Endeffekt habe ich vorher die ganze Zeit mit Kopfhörern vorm PC gesessen, um in Ruhe arbeiten zu können. Jetzt kann ich auch ohne Kopfhörer straight durcharbeiten.

Für meinen Arbeitgeber ist es natürlich ressourcenschonend. Das betrifft zum Beispiel die Räumlichkeiten, welche die Firma eigentlich zur Verfügung stellen müsste. Hier kümmere ich mich selbst drum. Ich zahle meine Miete, ich zahle meinen Strom, ich zahle mein Internet. Die Kosten liegen alle bei mir. Gerade wenn man es im größeren Rahmen betrachtet, wäre das ein Vorteil fürs Unternehmen.

Das Ganze hat auch unglaublich viel mit Mitarbeiterzufriedenheit zu tun. Ich bin unglaublich glücklich im Endeffekt. Mit Obstkorb oder Kaffee kann man beispielsweise niemanden mehr reizen. Im Vergleich dazu hat Homeoffice viel mehr zu bieten - Allein die riesige Flexibilität. Wahrscheinlich hätten viele Menschen deshalb auch lieber eine Homeoffice-Option als zum Beispiel eine Gehaltserhöhung.

Viele Mitarbeiter haben ja auch Kinder. Wenn das Kind krank ist, fällt häufig auch der Mitarbeiter aus und die Arbeit bleibt liegen. Hast du aber die Möglichkeit Homeoffice zu machen, kannst du dennoch arbeiten und dich zeitgleich um das kranke Kind kümmern.

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Franziska Ladicke

Franziska Ladicke

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