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Ungleichheit

11.05.2021

Wie Corona die Ungleichheit vorantreibt

In unserem letzten Blogbeitrag im April ging es um die sogenannte Gender-Pay-Gap, also den durchschnittlichen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. Obwohl sich diese Lücke zwischen den Gehältern seit 2016 langsam zu schließen beginnt, lag der Unterschied 2020 bundesweit immer noch bei etwa 18%. Außerdem ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt erkennbar, dass die Corona-Pandemie der generellen Chancengleichheit, nicht nur in Sachen Gehalt, schadet. Woran das genau liegt, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag.


Eine aktuelle Studie der Stiftung des Weltwirtschaftsforums ergab, dass bei gleichbleibendem Tempo die Gleichstellung von Mann und Frau erst im Jahr 2157 erreicht sein wird. Anders ausgedrückt: Es wird noch weitere 136 Jahre dauern, bis man von einer absoluten Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern ausgehen kann. Zu diesem Ergebnis kam das Weltwirtschaftsforum anhand verschiedener Kriterien wie der politischen Teilhabe, dem Zugang zu Gesundheit und Bildung sowie der wirtschaftlichen Möglichkeiten. Das heißt, bei dieser Prognose wurden die Auswirkungen, die eine Krise wie die Corona-Pandemie haben kann, noch gar nicht berücksichtigt. Dabei wird bereits heute deutlich, dass das letzte Jahr mit Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und Kurzarbeit nicht besonders förderlich war.

Wodurch wurde die Ungleichheit konkret verstärkt?

Zum Einen hat die Berufswahl hier einen sehr großen Einfluss. Der Anteil an Frauen ist in einigen Wirtschaftszweigen bedeutend höher als in anderen Branchen. Beispielsweise fällt diese Ungleichverteilung stark in der Gastronomie, dem Einzelhandel und auch bei persönlichen Dienstleistungen, wie Friseuren und Kosmetikern, auf. Und was haben alle diese Berufsgruppen gemeinsam? Richtig, sie konnten alle im letztem Jahr nicht wie gewöhnlich Ihrer Arbeit nachgehen. Lange Zeit mussten die Betriebe geschlossen bleiben oder durften nur unter scharfen Restriktionen geöffnet werden. Dadurch ergab sich offenkundig eine sehr starke finanzielle Belastung für viele Inhaber, welche häufig nicht vollends durch staatliche Hilfen ausgeglichen werden konnte. Als Konsequenz daraus müssen viele Betriebe Personal abbauen. Im schlimmsten Fall schließen sogar ganze Betriebe. Die Arbeitslosigkeit steigt demnach. Wer nicht entlassen wird, hat höchstwahrscheinlich dennoch mit Kurzarbeit zu kämpfen. Das ohnehin schon nicht sehr hohe Gehalt der genannten Berufsgruppen verringert sich damit nochmals deutlich. Die finanzielle Lücke zwischen Mann und Frau nimmt somit weiter zu.

Ein weiterer Aspekt, der den negativen Einfluss der Pandemie beweist, ist die Geschlechterverteilung bei den Alleinerziehenden. Laut statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland etwa 2.2 Millionen alleinerziehende Mütter, aber nur 400.000 alleinerziehende Väter. Dass Alleinerziehende verstärkt unter der aktuellen Situation leiden, ist offensichtlich. Bei Schul- und Kita-Schließungen obliegt die Kinderbetreuung ausschließlich einem Elternteil. Je nach Alter und Anzahl der Kinder können Singles also gar nicht oder nur stark eingeschränkt im Homeoffice arbeiten.

Schul- und Kita-Schließungen sind ohnehin ein Argument für sich. Vor allem Mütter reduzieren Ihre Arbeitszeit im Beruf, um sich der Kinderbetreuung zu widmen. Bei Männern ist die Bereitschaft dazu entscheidend geringer. Umfragen im April 2020 zeigten bereits, dass etwa 24% der erwerbstätigen Mütter ihre Arbeitszeit zum Wohle der Kinder verringerten. Bei den erwerbstätigen Vätern waren es hingegen nur 16% im Durchschnitt. Ein Trend, der sich seit dem erneuten Lockdown im Dezember vermutlich nicht gebessert, sondern verschlechtert hat. Mütter, die ihre Arbeitszeit nicht reduzierten, griffen außerdem häufig auf eine Home-Office-Lösung zurück. Spitzzüngig könnte man also behaupten, dass sich das traditionelle Bild der “Frau am Herd mit dem Kind auf dem Arm” wieder verstärkt in unseren Köpfen eingebrannt hat.

Was können wir tun?

Betrachtet man die Problematik erst einmal ausschließlich aus der Einzelperson-Perspektive, kommt vor allem eine Gegenmaßnahme in den Sinn: eine gerechtere Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen Vätern und Müttern. Dazu braucht es “lediglich” die Bereitschaft beider Elternteile gleichermaßen Zeit zu investieren.

Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene gibt es allerdings noch weit aus mehr was man tun könnte, hier einige ausgewählte Beispiele:

  • Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung. Bereits vor der Pandemie gab es hier Engpässe. Wenn wir es schaffen die Kapazitäten auszubauen und Einrichtungen besser auszustatten, dann kann auch eine höhere Stabilität in Krisenzeiten gewährleistet werden.
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Arbeitgeber sollten gewährleisten, dass Frau und Mann gleichermaßen familiären Verpflichtungen nachgehen können. Beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten und -orte sowie durch eine gesteigerte Akzeptanz von Männern in Elternzeit.
  • Reform des Ehegattensplittings. Frauen, die weniger verdienen als ihre Männer und daher die Steuerklassen 5 annehmen, wird der Anreiz genommen die Stundenzahl aufzustocken, denn durch die zusätzlichen Arbeitsstunden steigt die steuerliche Belastung unverhältnismäßig im Vergleich zum Nettogehalt.

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Hinweis: Allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen im Beitrag verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter.

Quellen:
Hielscher, 2021. Frauen und Männer sind weltweit in 136 Jahren gleichgestellt - URL: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/gleichstellung-mann-und-frau-es-dauert-noch-136-jahre

Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Gender Pay Gap 2020: Frauen verdienten 18 % weniger als Männer - URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-Verdienstunterschiede/gender-pay-gap.html

Lott & Zucco, 2021. Corona und Gleichstellung: Neue Studie beleuchtet Wirkung auf Gender-Pay-Gap, Arbeitszeiten und Aufteilung von Sorgearbeit - URL: https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-corona-und-gleichstellung-31078.htm

Suhr (Statistisches Bundesamt), 2021. Corona-Krise verzögert Gleichberechtigung von Frauen weiter - URL: https://de.statista.com/infografik/11682/der-lange-weg-zur-geschlechtergerechtigkeit/

Franziska Ladicke

Franziska Ladicke

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