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Gendern im Recruiting

29.03.2022

Gendern im Recruiting

Gendern ist für viele Menschen ein wichtiges Thema. Dabei geht es darum, inwieweit in der Sprache die verschiedenen Geschlechter bzw. Geschlechteridentitäten berücksichtigt werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Einige von diesen Möglichkeiten werden in diesem Blogbeitrag vorgestellt. Außerdem wird auf bestimmte mögliche Auswirkungen des Genderns im Recruiting-Bereich eingegangen.


Was bedeutet Gendern bzw. was ist eine gendergerechte Sprache?

Der englische Begriff „Gender” bedeutet „Geschlecht” und meint aber nicht das biologische bzw. sexuelle Geschlecht (engl. sex; lat. sexus), sondern das soziale Geschlecht. Dieses bezieht sich auf sämtliche Aspekte, die typischerweise mit Frauen und Männer verbunden werden. Dabei geht es jedoch nicht um das Geschlecht, bezogen auf die äußerlichen Merkmale, sondern um das gelebte und gefühlte Geschlecht einer Person. Es kann demnach Unterschiede zwischen dem sozialen und biologischen bzw. sexuellen Geschlecht einer Person geben. Es wird dabei zwischen dem männlichen, weiblichen und anderen, unter dem Begriff „divers” zusammengefassten Geschlechtern bzw. Geschlechtsidentitäten, unterschieden.

Auch in der Sprache können Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Geschlechtern auftreten. So gibt es in der deutschen Sprache das Genus, welches das grammatische Geschlecht eines Substantivs darstellt. Dabei wird zwischen Maskulinum, Femininum und Neutrum unterschieden. Das Genus muss jedoch nicht mit dem Sexus übereinstimmen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn das generische Maskulinum verwendet wird. Dabei handelt es sich um die grammatisch männliche Form eines Substantivs, mit dieser z. B. Personen und Berufe oftmals bezeichnet werden, obwohl auch das weibliche Geschlecht und andere Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten mitgemeint sind. In vielen Fällen gibt es sogar eine grammatisch weibliche Form. So kann es vorkommen, dass z. B. männliche, weibliche und diverse Mitarbeitende unter dem Begriff „Mitarbeiter” zusammengefasst werden. Durch eine geschlechtergerechte Sprache sollen neben dem weiblichen Geschlecht auch alle anderen Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten sprachlich mit berücksichtigt werden. Das Ziel des Genderns ist demnach eine gendergerechte Sprache, die eine Gleichbehandlung der unterschiedlichen Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten zum Ausdruck bringt.

Formen des Genderns

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu gendern. Es folgt eine Übersicht zu den gängigen Formen:

Beispiel: Mitarbeiter (generisches Maskulinum, Plural)

  • Paarform: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • Schrägstrich: Mitarbeiter/-innen
  • Genderstern: Mitarbeiter∗innen
  • Unterstrich: Mitarbeiter_innen
  • Doppelpunkt: Mitarbeiter:innen
  • Binnen-I: MitarbeiterInnen

Die Übersicht zeigt, dass es viele Möglichkeiten des Genderns gibt. Neben den aufgeführten Formen gibt es auch noch weitere, weniger gebräuchliche Gender-Formen. Dabei sind jedoch lediglich die geschlechtsneutrale Form, die Paarform und die Schrägstrich-Form grammatikalisch richtig und von der amtlichen Rechtschreibung abgedeckt.

Möglichkeiten des Genderns in Stellenanzeigen

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dürfen Bewerber/-innen von Arbeitgeber/-innen nicht auf Grund des Geschlechts oder der sexuellen Identität diskriminiert werden. Um AGG-konform zu sein, müssen Stellenanzeigen demnach geschlechtsneutral gestaltet werden. Dafür wird unter anderem der Zusatz (m/w/d), der auf die drei Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten männlich (m), weiblich (w) und divers (d) verweist, hinter den Stellentitel platziert. Es gibt jedoch auch noch weitere Zusätze. Einige von diesen sind folgend dargestellt:

  • (m/w/a) … männlich/weiblich/anders
  • (m/w/gn) … männlich/weiblich/geschlechtsneutral
  • (m/w/i) … männlich/weiblich/intersexuell
  • (m/w/i/t) … männlich/weiblich/intersexuell/transsexuell
  • (m/w/x) … männlich/weiblich/undefiniertes Geschlecht
  • (m/w/*) … männlich/weiblich/Asterisk kann für ein beliebiges Geschlecht stehen oder auf eine Fußnote mit weiteren Informationen zum Geschlecht bzw. zur Geschlechtsidentität verweisen

Auch die Reihenfolge der Abkürzungen für die Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten in den dargestellten Zusätzen kann verändert werden. Eine Möglichkeit, mit der Diskriminierungen diesbezüglich verhindert werden sollen, ist die alphabetische Reihenfolge der Zeichen.

Arbeitgeber/-innen sind nicht verpflichtet eine dieser oder andere Zusätze in ihre Stellenausschreibung aufzunehmen. Jedoch müssen sie nach dem AGG unter anderem sicherstellen, dass Bewerber/-innen durch die Stellenausschreibung nicht auf Grund des Geschlechts oder der sexuellen Identität diskriminiert werden. Dafür können auch andere Lösungen umgesetzt werden. Die beschriebene Lösung mit dem Zusatz hinter dem Stellentitel erlaubt jedoch weiterhin die Verwendung des generischen Maskulinums für den Stellentitel. Um dies zu vermeiden können Arbeitgeber/-innen Stellentitel nutzen, die sich keinem Geschlecht zuordnen lassen. Eine Möglichkeit ist die Formulierung der ausgeschriebenen Stelle im neutralen Plural. Aus „Kaufmann” wird dann „Kaufleute”. Das ist jedoch nicht immer möglich. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung einer neutralen Bezeichnung. Oft ist dies einfach umzusetzen. Statt „Projektleiter” und „Assistentin” wird dann „Projektleitung” und „Assistenz” für die Stellenanzeige verwendet. Durch die Umsetzung dieser beiden Möglichkeiten können Arbeitgeber/-innen unkompliziert alle Geschlechter ansprechen.

Mögliche Auswirkungen des Genderns im Recruiting

Das Gendern im Recruiting kann viele Vorteile haben. In erster Linie bringen Arbeitgeber/-innen durch das Gendern eine Gleichbehandlung der unterschiedlichen Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten zum Ausdruck und können zu einer steigenden Sensibilität bezüglich einer bessere Inklusion beitragen. Auch können sie somit durch die Einbeziehung mehrerer Geschlechter viel mehr Menschen gezielt ansprechen. Das kann z. B. die Anzahl an Bewerbern auf eine Stelle nach einer geschalteten Stellenausschreibung erhöhen. Unternehmen können dadurch die Wahrscheinlichkeit geeignete Mitarbeiter/-innen zu finden, steigern. Auch kann sich Gendern positiv auf die Arbeitgebermarke (engl. Employer Branding) auswirken. Eine Studie zum Gendern aus dem Jahr 2022, bei der Menschen im Alter zwischen 14 und 35 Jahren befragt wurden, ergab, dass Gendern wichtig ist, wenn es darum geht Personen zeitgemäß und individuell anzusprechen. Arbeitgeber/-innen, die nicht gendern, erscheinen dagegen eher altmodisch und sind für jüngere Zielgruppen weniger attraktiv.

Weiter ergab die Studie jedoch, dass es durch das Gendern verstärkt zu Dissonanzen kommen kann, wenn dessen Durchsetzung zu aggressiv und zu strikt ist. Beim Gendern ist demnach auf ein geeignetes Maß und den richtigen Kontext zu achten. So stellt das Gendern besonders in offiziellen Kontexten eine Form des Respekts dar, gehört mittlerweile zum guten Ton und ist daher zu empfehlen. Das betrifft auch den Job-Kontext. Arbeitgeber/-innen, die das Gendern im Unternehmen etablieren wollen, können dies durch eine gelassene und auch humorvolle Einstellung diesbezüglich, sowie mittels flexibler Umgangsformen vereinfachen. Prinzipiell kann Gendern nicht nur im Recruiting, sondern in allen Bereichen des Unternehmens Vorteile mitsichbringen. Auch haben Unternehmen die Möglichkeit sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil aufzubauen.

Stellungnahme vom schnelleStelle.de-Team zum Thema Gendern

Das Team von schnelleStelle.de nutzt mittlerweile in allen HR-Wissen-Beiträgen (Blog, Infoblätter, …) mehrere Formen des Genderns. Dabei werden die geschlechtsneutrale Form, die Paarform und die Schrägstrich-Form verwendet. Diese Formen wurden gewählt, da sie von der amtlichen Rechtschreibung abgedeckt sind und eine gute Lesbarkeit aufweisen. Die in den Beiträgen gewählten neutralen (z. B. Mitarbeitende) sowie die männlichen und weiblichen Sprachformen (z. B. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen) beziehen sich auch auf alle anderen Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten und diese werden ausdrücklich mitgemeint.

Resümee:

Das Gendern bzw. eine gendergerechte Sprache gehört mittlerweile im Recruiting-Bereich dazu. Es trägt zur Gleichbehandlung aller Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten bei und Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Identität sollen dadurch vermieden werden. Unternehmen, die gendern, können daneben vor allem junge Bewerber zeitgemäßer und attraktiver ansprechen und sich somit einen Wettbewerbsvorteil aufbauen.

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Quellen:
Der Spiegel GmbH & Co. KG (Hrsg.), 2022. Studie zu geschlechtergerechter Sprache. Gendern polarisiert auch in der jungen Generation - URL: https://www.spiegel.de/kultur/gendern-als-stolperfalle-gendern-polarisiert-auch-in-der-jungen-generation-a-2608c97f-9aeb-4859-b173-0d1a7a91e3d4?xing_share=news

Dießelkämper, Berit, 2019. Welche Formen der gendersensiblen Sprache gibt es? - URL: https://www.jetzt.de/hauptsache-gendern/welche-formen-der-gendersensiblen-sprache-gibt-es

Diewald, Gabrielle; Nübling, Damaris, 2020. Genus und Sexus: Es ist kompliziert - URL: https://www.nzz.ch/feuilleton/gendern-genus-und-sexus-sind-eng-miteinander-verbunden-ld.1578299

Eisenberg, Peter, 2018. Gendergerechte Sprache. Wenn das Genus mit dem Sexus - URL: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gendergerechte-sprache-wenn-das-genus-mit-dem-sexus-15470481.html

Flöter, Isabell, 2019. „divers“ – Einführung eines dritten Geschlechts und Auswirkungen für die Praxis - URL: https://kliemt.blog/2019/01/15/divers-einfuehrung-eines-dritten-geschlechts-und-auswirkungen-fuer-die-praxis/

Gottke, Julian, 2021. Steigert Gendern die Ad-Performance? Agorapulse untersucht! - URL: https://www.agorapulse.com/de/blog/gendern-in-social-media-ads/

Keller, Philip, 2018. (m/w/d/x/i) gesucht – geschlechtsneutrale Stellenausschreibung - URL: https://www.anwalt.de/rechtstipps/mwdxi-gesucht-geschlechtsneutrale-stellenausschreibung_142002.html/

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.), o. J. Gendern: Ein Pro und Contra - URL: https://www.lpb-bw.de/gendern#c76341

lawpilots GmbH (Hrsg.), 2020. AGG in der Stellenausschreibung – m/w/d Pflicht? - URL: https://lawpilots.com/de-de/compliance/m-w-d-pflicht-stellenausschreibung/

Monster Worldwide Deutschland GmbH (Hrsg.), o. J. Gendern in Stellenanzeigen: Stellenanzeigen geschlechtsneutral formulieren - URL: https://www.monster.de/mitarbeiter-finden/hr-know-how/recruiting/mitarbeiter-einstellen/gendern-in-stellenanzeigen/

Müller-Spitzer, Carolin, 2021. Genus ist nicht gleich Sexus, aber ist damit schon alles gesagt? Geschlechtergerechte Sprache: linguistisches Hintergrundwissen für eine konstruktive Debatte - URL: https://www.friedrich-verlag.de/deutsch/rechtschreibung/genus-ist-nicht-gleich-sexus-aber-ist-damit-schon-alles-gesagt-9323

rheingold GmbH und Co. KG (Hrsg.), 2022. Stolperfalle Gendern: sprachliche Provokation konterkariert die Sehnsucht nach gesellschaftlichem Miteinander - URL: https://www.rheingold-marktforschung.de/stolperfalle-gendern/

Schanze, Robert, 2018. m/w/d bei Stellenanzeigen – was bedeutet die Abkürzung? - URL: https://www.giga.de/ratgeber/specials/m-w-d-bei-stellenanzeigen-was-bedeutet-die-abkuerzung/

Schröder, Richard, 2018. Genus ist nicht sexus - URL: https://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article185627376/Essay-Genus-ist-nicht-sexus.html

Scribbr B.V. (Hrsg.), o. J. Richtig gendern auf einen Blick - Alle Regeln verständlich erklärt - URL: https://www.scribbr.de/category/richtig-gendern/

Derik Rohr

Abteilung Marketing

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